Papiergeld.info

von Kai Lindman

 

NebelWas soll man über ein Buch schreiben, über das es eigentlich nichts zu schreiben gibt? Ach was, Augen zu und durch! Mir wird schon etwas einfallen!

Zuallererst einmal kann ich meine Glückwünsche loswerden. Mir, als eifrigem Sanifair-Bons-Sammler, wäre so etwas nie eingefallen. Aber ach, ich bin schon wieder viel zu festgelegt, was wohl an den Farben der Bons liegt. In Wirklichkeit kommt das Wort „Sanifair“ nicht ein einziges Mal im kompletten Buch vor und die ausschließlich auf dem Umschlag abgebildeten Bons sehen den Originalen des Marktführers zwar entfernt ähnlich, unterscheiden sich aber vor allem im Logo gründlich von denen, die ständig in meinem Kopf umherschwirren. Das Ganze ist natürlich ein cleverer Schachzug. So vermeidet man jeden möglichen Streit mit Sanifair, die ja eventuell mit diesem Werk gar nicht einverstanden gewesen wären, weil dort irgendjemandem in der Geschäftsleitung der notwendige Humor gefehlt hätte, um dieses Werk als das zu betrachten, was es letztendlich ist: Ein gut gemachter Scherz!

Also denke ich mal nicht mehr grün-blau, sondern stelle mir alle möglichen Bons vor, die doch sehr unterschiedlich daherkommen. Das macht die Erfüllung der durchaus witzigen und clever ausgedachten Sammelaufgaben relativ schwer. So haben zum Beispiel längst nicht alle Bons eine Ortsangabe aufgedruckt und meines Wissens gibt es auch keinen nationalen Toilettenführer, der nicht nur den Standort der Erholungseinrichtung angibt, sondern auch gleich den Betreiber nennt und eine Eintauschquelle für die Wertbons aufführt. Aber halt, das ginge ja gegen den Spielcharakter des neuen Sammelbuches, sollen wir doch die Bons nicht mehr einlösen, sondern einkleben.

Und hier gibt es gleich drei schwerwiegende Einwände gegen die Intentionen des Sammelbuchautors. Erstens bin ich gar nicht einverstanden mit der abwertenden Bemerkung zum Einkaufserfolg mit einem 50-Cent-Bon. Ich bin noch in einer Zeit aufgewachsen, in der es hieß: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Nach dem Umrechnungskurs von Euro (heutige Währung) zu Mark und Pfennig (ehemalige bundesrepublikanische Währung. Ach, das wussten Sie?! Mein Kompliment!) wäre ein Pfennig heute nicht einmal einen halben Cent wert. Dennoch bekam man einen Bonbon dafür. Das sollte einem mit 50 Cent heute doch auch gelingen.

Zweitens empfinde ich als Geldscheinsammler die Aufforderung, die Bons einfach ins Album einzukleben, als barbarisch. Wir Fans sammeln nämlich nicht nur Vorderseiten, sondern wir studieren auch die Rückseiten gründlich (Zumindest dann, wenn sie bedruckt sind, und das sind fast alle!), versorgen sie uns doch mit vielerlei wichtigen Informationen. Wie also lösen wir diese knifflige Aufgabe? In meiner Jugend wäre das kein Problem gewesen. Bei uns gab es nämlich noch echte, selbstgeknipste Fotos, und die befestigte man mit sogenannten „Fotoecken“ in den Familienalben. Was macht man aber heute im Zeitalter von Facebook und ähnlichen Bildergräbern? Kann es denn noch Fotoecken geben, wenn es keine Fotos mehr gibt? Ach Mensch, da habe ich mich aber blamiert! Ich habe einen der Verlagsautoren angerufen und der hat mir versichert, dass es immer noch Ecken in großen Mengen gebe und Lieferprobleme auch in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten seien. Wie beruhigend; damit wäre das Problem ja gelöst. (Eine kleine, diesbezügliche Notiz auf Seite fünf des Sammelbuches wäre sicher ganz sinnvoll.)

Und diese Bemerkung führt mich direkt zum dritten Punkt meiner Beschwerde: In dem Buch gibt es keine Seitenzahlen, was ich ausgesprochen lästig finde! Wenn Sie also mit einem Gleich-(Gleich-, nicht Bleich-)gesinnten Informationen austauschen wollen, müssen Sie entweder ordentlich blättern und zählen, oder im Vorfeld der Beratung mit Hilfe eines Schreibgerätes die Seiten selbst nummerieren. Denken sie aber daran: Der Umschlag bleibt unnummeriert und Seite eins ist die erste rechte Seite, auf der normalerweise der Innentitel steht.

Nun ist es doch eine ganze Menge geworden, was ich zum Toilettenwertbon-Sammel-album zu sagen …, Pardon, zu schreiben hatte. Trotz aller Beanstandungen – und es gibt noch das Eine oder Andere, auf das ich hinweisen könnte –: Das Ding gefällt mir, und ich wäre glücklich, wenn in ferner Zukunft ein gestandenes Mannsbild oder Frauenzimmer in froher Runde berichtete: „Zum Papiergeldsammeln bin ich auf lustige Weise gekommen. Ich habe da mal mit einem Sammelalbum für Toilettenwertbons angefangen. Hier, ich habe es immer noch! Nein, macht euch keine Gedanken, es riecht überhaupt nicht!“

Sammlerherz, was willst Du mehr?!


Julian Nebel, Das große Toilettenwertbon-Sammelalbum, München 2020, DIN A4, 32 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-7423-1453-6, 7,99 Euro