Papiergeld.info

Eilenburg

von Kai Lindman

 

Es ist meistens sehr unangenehm, wenn man zwischen die Stühle gerät. Noch unangenehmer ist es, wenn man völlig schuldlos an seinem Schicksal ist. Genau dies ist im Notgeldbereich der kleinen Stadt Eilenburg in der Provinz Sachsen, nicht allzu weit von Leipzig entfernt, passiert.

Im August des Jahres 1923 wurde die Versorgung mit staatlichen Geldscheinen so schlecht, dass sich der Rat der Stadt entschloss, selbst Notgeldscheine drucken zu lassen und auszugeben. Am 15.8.1923 erschienen Scheine mit den damals üblichen Nominalen 100, 200, 300 und 500 Tausend. Am selben Tag gab auch die örtliche „Deutsche Celluloid-Fabrik“ zwei Scheine (500 Tausend und 1 Million) aus. Die Stadtscheine reichten aber bald nicht mehr, und so erschienen am 1.9.1923 gleich drei Scheine der Stadt mit den Nominalen 1, 2 und 3 Millionen. Später im Jahr, am 24.10., schlossen zwei Scheine zu 5 und 10 Milliarden die Eilenburger Ausgabetätigkeit ab.

 

Dr. Keller notierte alle Ausgaben brav in seinem Infla-Katalog. Nur mit der Ausgabe vom 1.9. scheint er Schwierigkeiten gehabt zu haben, denn außer dem Datum und den Nominalen gab es keine weiteren Angaben. Glücklicherweise können wir die Information beisteuern, dass diese Scheine auf wasser-zeichenloses Papier gedruckt worden sind. Vermutlich hat Keller von der Existenz dieser Scheine nur unbestätigte Meldungen bekommen und die Scheine nie selbst gesehen, denn er hat sie mit der zweithöchsten Bewertung (20 Mark) versehen, zu der er sich nur bei extremen Seltenheiten hinreißen ließ.

 

Im Laufe des letzten Jahrzehnts erschienen auch von anderen Autoren neue Notgeldkataloge. So habe ich zusammen mit den Herren Biging, Frank und Sens einen Katalog des Bundeslandes Sachsen-Anhalt erstellt. Dazu gehört Eilenburg aber nicht mehr, denn im Laufe der Gebietsreformen nach der deutschen Vereinigung ist es dem Land Sachsen zugeordnet worden. Für Sachsen gibt es nun den neuen Katalog von Mathias Bühn. Bühn hat sich aber entschlossen, in seinem Katalog nur die Orte aufzunehmen, die während der Notgeldausgabezeit zu Sachsen gehörten. Zu der Zeit war Eilenburg aber ein Teil der Provinz Sachsen.

 

Fazit: Es gibt keinen neuen Katalog, in dem die Scheine von Eilenburg verzeichnet sind. Die Kataloge für Sachsen und Sachsen-Anhalt werden in absehbarer Zeit sicher nicht noch einmal erscheinen und ob einer der Autoren dann Gnade vor Recht ergehen lässt, ist mehr als fraglich. Armes Eilenburg!

 

Naja, wenn mich jemand mit Abbildungen von den ausgegebenen Scheinen versorgt, kann ich das ja mal an dieser Stelle erledigen, und wenn mir jemand die Orte nennt, denen Gleiches widerfahren ist, dann können wir die ja auch gleich mit erledigen - falls es nicht zu viele sind!

Übrigens: Hat der Schein nicht eine tolle Kontrollnummer?